Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

FSR-Logo weißer Hintergrund

Weiteres

Login für Redakteure

Antifa statt Gesprächskreis

An dieser Stelle möchten wir uns zu einem Statement des Fachschaftsrat der Neuphilologien     äußern, welcher am 21. November über die "Identitäre Bewegung" ein Statement verfasst     hatte.

Vorweg bereits unsere Einschätzung: Wir halten diesen Text für verkürzt, falsch und unsolidarisch und denken auch aufgrund der langen und guten Zusammenarbeit mit dem FSR, dass dieser vor allem unglücklich ist und die sonstige FSR-Arbeit nicht repräsentiert.

Um unsere Kritik deutlich zu machen, gehen wir nun auf einige Textstellen ein:

"Als FSR ist es nicht unser primäres Ziel, politisch Stellung zu beziehen, da wir in erster Linie für das universitäre Wohl und die universitären Interessen unserer Studierenden zuständig sind."

Weniger zum Thema, aber dennoch relevant möchten wir hier anmerken, dass dieser Einstieg schon absurd ist. Der FSR bezieht also nicht politisch Stellung, weil das "universitäre Wohl" (was ist das eigentlich? Das Wohl des Rektors oder das eines*r Studierenden, der*die unter Langzeitstudiengebühren leidet?) im Vordergrund steht? Eher nicht, denn dieses "Wohl" ist ohne politische Setzung eine völlig leere Worthülse ohne Zielstellung. Auch die IB freut sich über "universitäres Wohl", meint damit aber vielleicht eine zünftige Bücherverbrennung. Und auch drittmittelgebenden Unternehmen haben das im Hinterkopf, wenn sie mit der öffentlichen Forschung ihren Profit machen. Sogar uns geht es ums "universitäre Wohl" und trotzdem verstehen wir darunter etwas völlig anderes als der FSR der Neuphilologien. Der Unterschied besteht, ob man es möchte oder nicht, in der politischen Ausrichtung.

"Aber anstatt solchen Menschen mit ebensolcher Ignoranz, vielleicht sogar mit Gewalt und Wut zu begegnen, halten wir es für sinnvoll, stets den offenen Diskurs mit ihnen zu suchen, sofern das möglich ist. Gedankengut, wie es die Identitäre Bewegung vertritt, wird weder dadurch bekämpft, dass man über sie hinweg sieht oder taube Ohren dafür hat.
Daher appellieren wir an euch, für Gespräche offen zu sein, auch wenn es schwerfällt. Seid offen, solchen Menschen mit Ruhe und Bestimmtheit in Seminaren und Vorlesungen zu begegnen und ihnen zu zeigen, dass wir ihre Meinung nicht teilen."

Hier ist der FSR vor allem naiv. Wieso sollten antifaschistische Studierende für Gespräche mit Leuten offen sein, die lieber mit Baseballschlägern losziehen und Jagd auf ihre politischen Gegner*innen zu machen? Wieso rät der FSR dazu, sich in solche Gefahr zu begeben? Es ist aber nicht nur das, was an dieser These entsetzt, sondern auch die Tatsache, dass sie den IBler*innen in die Hände spielt: Diese versuchen sich immer wieder als demokratisch, "nur" patriotisch und dialogbereit darzustellen. Aufgrund ihrer ständigen Gewalteskalationen glaubt ihnen das zwar kaum jemand, aber sie versuchen ja gerade durch von "klassischen Nazis" zu unterscheidendes Auftreten größere Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu erreichen. Ein gemeinsames "offenes" Gespräch mit Leuten aus der Neuphilologie wäre letztendlich genau das, was den Nazis, die sich nicht so nennen, passen würde. Eine sinnvollere Gegenstrategie ist hier, die menschenfeindlichen Inhalte klar zu benennen und deutlich zu machen, dass solche Stimmen in einer demokratischen Debatte nichts verloren haben. Was gäbe es mit den Rechten auch zu diskutieren? Die Gültigkeit von Grund- und Menschenrechten? Wer das bejaht und dahingehend ergebnisoffen ist, spielt ihnen in die Karten, denn er*sie erklärt beiläufig, dass diese eben doch verhandelbar wären. Die Ausführungen des FSRs sind aber ebenso unsolidarisch, denn sie suggerieren, dass die Alternative zu ihrer Gesprächsoffenheit eben "taube Ohren" oder "Hinwegsehen" ist. Das ist aber gerade nicht die Alternative: Denn wer richtig hinsieht und zuhört weiß eben, dass mit diesen Menschen nicht zu reden ist.

"Es ist niemandem damit gedient, nur laut zu skandieren, gegen zu Rechts zu sein, denn die Probleme haben wir damit trotzdem nicht gelöst.
Wir alle haben sehr gute Argumente für eine bunte Universität, eine bunte Stadt Halle und ein noch viel bunteres Deutschland!"

Hier setzen sich die Vorwürfe gegen Antifaschist*innen fort, die man in einem Kontext sehen muss. Während die IB also erneut einen gewaltsamen Angriff begeht und der FSR sich bis dorthin noch in keinem Wort gegen diese geäußert hat, wird hier - in der ersten Stellungnahme dazu! - erst einmal die Gegenseite angegriffen. Im Denkmantel der "Konstruktivität" behauptet der FSR, die IB sei mit Argumenten zu bekämpfen, was diejenigen, die "nur" skandieren oder dagegen sind, einfach nicht verstehen würden. Abgesehen davon, dass uns schon Argumente für eine Gesellschaft reichen, in der niemand verfolgt wird und alle einfach gleich sind und dafür kein "buntes Deutschland" brauchen, ist die FSR-Vorstellung hier einfach ein kolossaler Fehlgriff. Der Faschismus entsteht aus gesellschaftlichen Verhältnissen und nicht aus intellektueller Überlegenheit (oder hatte der NS etwa das bessere Argument?) und genauso wird er auch bekämpft. Es geht nicht darum, mit Nazis philosophische Streitigkeiten auszutragen, sondern darum, eine Gesellschaft zu schaffen, in der jede*r ohne Angst verschieden sein kann und ein gutes Leben garantiert ist, um jeden Anknüpfungspunkt zu Ideologien der Ungleichwertigkeit zu zerstören. Obwohl es dafür die besten Argumente gibt, sind wir sehr weit davon entfernt, in so einer Gesellschaft zu leben und sollten sie trotzdem anstreben. Dazu sollten wir auch diejenigen, die wie die IBler*innen allein diese Vision aktiv und mit eskalierender Gewalt bekämpfen, ausgrenzen, ihre Positionen also auf jeder möglichen Ebene verdrängen und ihre Organisierung, zB durch das Haus, stören.

"Damit möchten wir abschließend all jenen, die wütend sind und nicht wissen, wie sie es artikulieren sollen, allen die enttäuscht sind, dass es vermeintlich kein Mittel dagegen gibt und allen, die vielleicht sogar Hass empfinden, sagen: Bietet dieser Bewegung keinen Raum in euren Gedanken und eurem Handeln. Denn wem kein Raum geboten wird, der kann auch keinen Raum einnehmen."

Da können wir erst einmal zustimmen. Natürlich darf man der IB keinen Raum bieten, leider macht der FSR genau das. Mit dem Hinweis auf offene Gespräche bietet der FSR exakt die Bühne, die die IB haben möchte. Der IB den Raum zu nehmen geht ganz praktisch, wird aber vom FSR erklärtermaßen abgelehnt. Statt also Gegendemos, Outings oder spontane Aktionen, die der IB tatsächlich den Raum nehmen, hier zu diskutieren, wird hier all das gelobt, was der IB raum bietet und alles denunziert, was der IB tatsächlich schadet. Hier ist abschließend nur darauf hinzuweisen, dass der FSR scheinbar eine Vorstellung von Gesellschaft hat, die zutiefst irrational ist. In der Neuphilologie besteht eine Gesellschaft scheinbar nur aus Gedanken: Wenn man mit der IB "gut" genug diskutiert, geht sie weg. Wenn man nur seine Gedanken möglichst frei von der IB macht, existiert sie nicht mehr. Warum bieten wir als Studierendenvertreter*innen nicht gleich "Medidation gegen Rechts" an oder ist das "gegen" schon wieder zu anti?

Da wir als FSR Phil Fak I natürlich auch am universitären und studentischen Wohl interessiert sind und nicht nur herummeckern wollen, bieten wir auch einen Handlungsvorschlag:
Macht mal bei Kick them out - Nazizentren dichtmachen    mit!


Zum Seitenanfang