Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Für die Umbenennung - keine Ehrung für Menschenfeinde, auch nicht am Reformationstag!

Es ist schon viel zu Martin Luther (1483-1546) und den Personenkult um ihn gesagt worden. In etlichen Vorträgen, Statements und Analysen wurden seine menschenverachtenden und reaktionären Ansichten offengelegt. Es wurden Berge von Zitaten ausgebreitet, die seinen letztendlich eliminatorischen Hass auf Jüdinnen und Juden genauso beweisen, wie seine autoritäre Mentalität gegenüber den Untertanen, seine Verachtung und Erniedrigung von Frauen, seine Hetze gegenüber vermeintlich Fremden oder seine Tötungsabsichten gegenüber angeblichen Hexen und Menschen mit Behinderungen.

In Conclusio wurde festgestellt, dass er damit nicht nur “Kind seiner Zeit” war, sondern mit seiner “Reformatio” einen Zustand wieder herstellen wollte, der seiner Vorstellung nach, das ursprüngliche Christentum symbolisieren würde. Er fordert von seinen Zeitgenoss*Innen also, für diesen Zustand zu streiten und kritisierte seine Gegenwart dafür, nicht menschenverachtend genug zu sein. Das zeigt sich darin, dass er nicht nur Theoretiker war, sondern ebenso realpolitisch für seine Vorstellung stritt: So wies der Kurfürst von Sachsen auf Luthers Ratschlag hin zum Beispiel alle jüdischen Menschen aus dem Land. Die Behauptung, dass Luther ja Problematisches gesagt hätte, aber er an sich ein “moderner” oder “aufklärerischer” Charakter sei, ist deshalb zurückzuweisen. Auch wenn die Reformation als Ganzes unter mehreren Faktoren zum Ende der mittelalterlichen Welt beigetragen hat, war das weder Luthers Absicht noch gar sein “Verdienst”. Dies lässt sich schon an anderen “Reformatoren” erkennen, die im deutschen Diskurs lieber ignoriert werden: Zu nennen wären Jan Hus (1370-1415) und John Wyclif (1330-1384).

Wer diese Fakten anerkennt, kann deshalb mit dem bestehenden Personenkult um Luther nicht zufrieden sein. Es gibt zwar auch Teile der Reformationsbegeisterten, die die Schandtaten Luthers “kritisch” anerkennen und sich davon distanzieren, dabei allerdings an der Oberfläche bleiben. Denn da das “Lutherjahr” bis heute weiter gefeiert werden soll, muss die Bilanz eines Menschenlebens positiv ausfallen: So wird der Judenhass kleingeredet und mit der Gegnerschaft zum Ablasshandel oder der “Zwei-Welten-Lehre” verrechnet. Abgesehen davon, dass Luthers Feindschaft gegenüber dem finanziellen Weg aus dem Fegefeuer und einer Geistlichkeit, die sich nicht bedingungslose der weltlichen Macht unterwirft, nicht mal wirklich menschenfreundlich war, ist diese Bilanzierung zynisch und sendet ein fatales Signal. Durch die durchgehenden Ehrungen, die Omnipräsenz Luthers wird jede Kritik übertüncht und der Hass kleingeredet.

Für uns als Fachschaftsrat bleibt damit nur eine Konsequenz: Gegen den gesellschaftlichen Trend der Lügen oder Verharmlosung von Luther muss gerade die Martin-Luther-Universität ein Zeichen setzen und deshalb ihren Namenspatron endlich loswerden. Wir fordern dementsprechend die Umbenennung unserer Universität und ein offenes Verfahren, um einen neuen zu bestimmen!

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